Selber streichen oder einen Maler beauftragen?
Streichen sieht nach der einfachsten aller Handwerksarbeiten aus: Farbe, Rolle, fertig. Genau deshalb wird es unterschätzt — und genau deshalb ist die ehrliche Antwort auf die Frage nicht immer „beauftragen Sie einen Betrieb“.
Diese Gegenüberstellung nennt die Fälle, in denen Selbermachen sinnvoll ist, und die, in denen es erfahrungsgemäss teurer wird als der Fachbetrieb.

Wann Selbermachen sinnvoll ist
Ein einzelner Raum mit intaktem Untergrund, heller Altanstrich, keine Wasserflecken, keine Risse, kein Zeitdruck: Das ist der Fall, in dem ein sorgfältiger Laie ein gutes Ergebnis erreicht. Es braucht Geduld beim Abkleben und die Bereitschaft, zwei Durchgänge zu streichen statt einen.
Auch wenn Sie ohnehin renovieren und die Wände später hinter Möbeln oder Regalen verschwinden, steht der Aufwand eines Fachbetriebs oft nicht im Verhältnis.
Wann es erfahrungsgemäss schiefgeht
Sobald der Untergrund nicht mitspielt. Kreidende Altanstriche, Tapetenreste, Gipsspachtel neben Altputz, durchschlagende Flecken — all das entscheidet sich vor dem ersten Anstrich und nicht danach. Wer hier die falsche Grundierung nimmt, streicht zweimal.
Bei Decken. Über Kopf gleichmässig zu rollen ist die schwierigste Arbeit im Innenbereich; Ansätze und Streifen sind bei Streiflicht später deutlich sichtbar.
Bei dunklen oder kräftigen Farbtönen. Ein sattes Rot, Petrol oder Anthrazit deckt selten mit zwei Durchgängen, und ungleichmässige Deckung fällt gerade bei kräftigen Tönen sofort auf.
Unter Termindruck. Wer bis Freitag fertig sein muss und am Mittwoch feststellt, dass die Wand noch einen Durchgang braucht, hat kein Werkzeugproblem, sondern ein Zeitproblem.
Was oft übersehen wird
Der Materialeinkauf ist nur ein Teil der Rechnung. Abdeckmaterial, Klebeband, Rollen, Grundierung und die Entsorgung kommen dazu — und bei zu kleiner Menge ein zweiter Weg in den Baumarkt.
Der grössere Posten ist die Zeit. Ein Raum, den ein Zweierteam in einem Tag macht, kostet einen Ungeübten realistisch ein Wochenende. Ob sich das lohnt, ist eine persönliche Rechnung, keine handwerkliche.
- Abdecken und Abkleben dauert länger als das Streichen selbst
- Grundierung ist kein optionaler Schritt, sondern entscheidet über das Ergebnis
- Zwei dünne Durchgänge decken besser als ein dicker
- Kanten und Übergänge verraten die Sorgfalt, nicht die Fläche
Der Mittelweg
Es muss nicht alles oder nichts sein. Häufig übernehmen wir die Vorarbeiten und die Decken — also die beiden Teile, an denen es am ehesten scheitert — und die Wandflächen streichen die Auftraggebenden selbst.
Sprechen Sie das bei der Besichtigung an. Wir sagen Ihnen offen, welche Teile sich lohnen abzugeben und welche Sie problemlos selbst machen können.
Wenn Sie unsicher sind, welcher Fall bei Ihnen vorliegt: Rufen Sie an und beschreiben Sie den Raum. Wir sagen Ihnen ehrlich, ob sich ein Betrieb lohnt – auch dann, wenn die Antwort nein lautet.








