Farbkarte, RAL und NCS: Wie Farbtöne benannt werden
Auf jeder Farbkarte stehen Zahlen und Buchstaben – RAL 7016, NCS S 1050-Y90R. Sie wirken wie Fachchinesisch, sind aber nichts anderes als eine eindeutige Adresse für einen Farbton. Wer sie versteht, kann einen Ton bestellen, ohne ihn zeigen zu müssen.
Diese Übersicht erklärt die zwei Systeme, die im Schweizer Malergewerbe gebräuchlich sind – und warum die Karte in Ihrer Hand trotzdem nie ganz das zeigt, was später an der Wand steht.

RAL: vier Ziffern, eine Farbfamilie
RAL ist das ältere und bekanntere der beiden Systeme. Es stammt aus Deutschland und wurde ursprünglich eingeführt, damit Lieferant und Besteller nicht mehr über Musterblechen diskutieren mussten. Die verbreitetste Sammlung heisst RAL Classic.
Die vierstellige Nummer ist nicht willkürlich: Die erste Ziffer benennt die Farbfamilie. 1 steht für Gelbtöne, 2 für Orange, 3 für Rot, 4 für Violett, 5 für Blau, 6 für Grün, 7 für Grau, 8 für Braun, 9 für Weiss- und Schwarztöne. RAL 7016 ist damit ein Grau – jenes Anthrazit, das man an vielen neueren Fenstern und Geländern sieht.
Die drei folgenden Ziffern sind eine reine Zählnummer innerhalb der Familie. Aus ihnen lässt sich nicht ablesen, ob ein Ton heller oder dunkler ist als sein Nachbar.
NCS: der Ton beschreibt sich selbst
NCS steht für Natural Color System und kommt aus Schweden. Es geht einen anderen Weg als RAL: Statt einer Zählnummer beschreibt die Bezeichnung, wie der Ton wahrgenommen wird.
In S 1050-Y90R steckt alles drin: 10 ist der Schwarzanteil in Prozent, 50 die Buntheit, Y90R der Farbton – Gelb, zu 90 Prozent in Richtung Rot verschoben, also ein kräftiges Orangerot. Wer das System einmal verstanden hat, kann zwei Bezeichnungen vergleichen, ohne beide Töne gesehen zu haben.
In der Schweiz und in Skandinavien ist NCS in der Architektur weit verbreitet, gerade bei Fassaden. Für Abstimmungen mit Architektinnen und Denkmalpflege ist es oft das System der Wahl.
Warum die Karte nie ganz stimmt
Das ist der Punkt, an dem die meisten Enttäuschungen entstehen: Ein Farbton auf einem daumengrossen Feld wirkt anders als auf zwanzig Quadratmetern Wand. Grosse Flächen verstärken den Ton – er wirkt kräftiger, dunkler und gesättigter als auf der Karte.
Dazu kommt das Licht. Ein Raum nach Norden bekommt kühles, gleichmässiges Licht und lässt Töne blaustichiger erscheinen. Nach Süden wird derselbe Ton wärmer und heller. Und abends unter Kunstlicht verschiebt er sich noch einmal, je nach Leuchtmittel deutlich.
Auch der Glanzgrad spielt mit: Derselbe Farbton wirkt matt tiefer und samtiger, seidenglänzend heller und kühler, weil die Oberfläche mehr Licht zurückwirft.
- Grosse Flächen wirken kräftiger – ein bis zwei Nuancen heller wählen als auf der Karte
- Karte immer an der Wand betrachten, für die sie gedacht ist, nicht am Tisch
- Bei Tageslicht und abends unter Kunstlicht prüfen
- Karte nicht auf Weiss legen: Der helle Untergrund lässt jeden Ton dunkler erscheinen
- Den Glanzgrad mitentscheiden, nicht erst nach der Farbwahl
Die Musterfläche ist der einzige verlässliche Test
Wir legen bei grösseren Aufträgen eine Musterfläche an – mindestens einen halben Quadratmeter, im fertigen Aufbau und mit dem Glanzgrad, der später kommt. Angeschaut wird sie zu zwei Tageszeiten.
Das kostet einen zusätzlichen Termin und ist trotzdem die günstigste Versicherung, die es in diesem Gewerbe gibt: Ein Farbton, der erst nach dem zweiten Anstrich als falsch erkannt wird, bedeutet den kompletten Aufbau noch einmal.
Neben RAL und NCS arbeiten wir mit den Farbsammlungen unserer Lieferanten – unter anderem kt.COLOR, KABE und Wirz. Deren Kollektionen sind auf Anwendungen abgestimmt und enthalten Töne, die in RAL gar nicht vorkommen.
Bringen Sie mit, was Ihnen gefällt – eine Nummer, eine Karte oder ein Foto. Wir sagen Ihnen, wie der Ton auf Ihrer Fläche und in Ihrem Licht wirken wird, und legen im Zweifel eine Musterfläche an.








